Philosophie

Humormanufaktur
  • Die Philosophie des Clowns

    Unsere Gedanken und Philosophien

    Der Clown ist ein Phänomen. Kaum ein Mensch in unserer westlich geprägten Kultur hat noch nie

    etwas gehört von dieser mystisch geladenen, geheimnisvollen Figur in ihrer heutigen Form. Fast

    Jeder hat sein eigenes Bild und seine eigenen Vorstellungen, wofür der Clown steht und was ihn

    ausmacht. Dabei haben erstaunlich viele Menschen große Angst und Scheu vor diesem Wesen und

    oft eine sehr oberflächliche Idee vom albernen, Luftballons aufblasenden Clown auf der schlechten

    Kindergeburtstagsfeier. Science-Fiction-Gruselclowns a la Stephen Kings „Es“ haben das Bild des

    traditionellen Circusclowns überholt, in modernen Medien ist für diese Kunstform wenig Platz.

    Hinzu kommt, dass speziell in Deutschland der traditionelle Lebensraum der Clowns, der Circus,

    keine große Tradition und Beachtung findet. So spielt der Clown bei uns eine vergleichbar kleine

    Nischenrolle, im Gegensatz zur Situation in einiger unserer Nachbarländer wie Frankreich oder

    Italien, wo der Circus insgesamt einen anderen Stellenwert einnimmt. Gerade in den vergangenen

    Jahrzenten erfährt diese Kunstform und damit verbunden auch der Clown dort eine große

    Renaissance, während bei uns Theater und Oper weitgehende Monopolstellung genießen.

    So ist es nicht verwunderlich, dass hierzulande wenig über die Philosophie hinter dem Clown

    bekannt ist.

     

    Was ist also das Geheimnis dieser Figur? Wofür steht sie, was hat sie uns mitzuteilen und vor allem,
    was hat das Ganze mit jedem Einzelnen von uns zu tun?

     

    Die Figur des Clowns begleitet die Menschheit seit Anbeginn gesellschaftlichen Lebens. In

    hunderten verschiedener Kulturen und unter ebenso vielen Namen und Synonymen hat er seinen

    Platz und seine Aufgabe. Der Clown ist kein Spiegel des gesellschaftlichen Lebens, sondern steht

    vielmehr für eine unmittelbare, sehr ursprüngliche Form des Seins. Er ist ein Resonanzkörper für all

    die Gefühle und Verhaltensweisen, die uns als Menschen ausmachen. Der Betrachter kommt über

    das Spiel des Clowns in Resonanz, also in Kontakt, mit sich selbst – seinen eigenen Gefühlen, dem

    eigenen Scheitern und der eigenen Identität als Teil eines großen Ganzen, der Menschheit.

    Das unterscheidet den traditionellen Clown vom Theater, welches sich mit unserer Identität

    innerhalb der Gesellschaft beschäftigt, unseren Egos, Sozialisierung und Verstrickungen, weniger

    mit dem puren Dasein als Mensch. Diese gesellschaftlichen Themen greift der Clown zwar auf in

    seinem Spiel, doch macht er das losgelöst von jenem Ego, hegt also keine Hintergedanken und

    manipulative Absichten.

     

    Im Folgenden versuche ich, alle Aspekte des Clowns zu beleuchten und zu ergründen.

    Der Clown lebt genau das aus, was viele Menschen sich nicht selbst erlauben können und würden,

    aber Teil eines tiefen inneren, sowohl kollektiven als auch individuellen Bedürfnisses ist. Er geht in

    Resonanz mit den Gefühlen und Bedürfnissen der Menschen und bringt diese ungeschminkt ans

    Tageslicht. Und genau das macht ihn zum gesellschaftlichen Ventil und zum Brückenbauer

    zwischen den Welten. Er vereint das Geistliche, Spirituelle und Körperliche, indem er sie auf das

    Einfache, Pure, Menschliche herunter bricht und so das Gleichgewicht zwischen den Menschen und

    ihren gesellschaftlichen Strukturen bzw. Hierarchien aufrechterhält.

  • Der Clown kennt kein "Nein"

    Unsere Gedanken und Philosophien

    Den teils tiefen Schmerz aus den gemachten Erfahrungen, die Melancholie des Lebens, das Platzen

    von Träumen, die Erbarmungslosigkeit der Natur, all dies teilt der Clown mit den Menschen ebenso

    wie das sagenhafte Glück des Lebens. Clowns sind also überhaupt nicht und ganz entschieden

    gegen das verbreitete Klischee immer lustig und fröhlich. Sie verkörpern die komplette Bandbreite

    an Gefühlen, die wir als Menschen kennen. Wie könnte der Clown authentisch menschlich sein,

    wenn er diese Bandbreite auf das positive reduzieren würde? Der Clown jedoch integriert diese

    Gefühle in sein Wesen, ohne sie von vornherein zu werten. So erlebt er sie ohne die Angst, die wir

    vor negativen Gefühlen entwickeln und auf Grund derer wir einen Schutzwall vor vielen Gefühlen

    errichten und sie nicht an uns ranlassen. Über das „JA“ zu allen Gefühlen bleibt er in seiner

    Präsenz und findet einen gesunden, authentischen Umgang mit eben Diesen.

  • Der Clown als Pures Gefühlswesen

    Unsere Gedanken und Philosophien

    Der Clown sagt bedingungslos und zu allen aufkommenden Lebenssituationen „Ja“. Ein Abwägen,

    Ablehnen oder gar Umkehren gibt es für ihn nicht. Jede Herausforderung, jede Gefühlsregung, jede

    neue Idee wird als solche genommen und mit kindlich-naivem Wesen gelebt. Durch dieses „Ja“ ist

    er ständig in Bewegung. Das ist natürlich nicht immer nur schön, oft sind neue Erfahrungen und

    Gefühle schmerzhaft oder führen nicht zum gewünschten Ergebnis.

     

    Doch der Clown wertet nicht wie wir. Die Wertung einer Erfahrung macht sie erst zu einer guten

    oder schlechten, nützlichen oder unnützen. Ohne diese Wertung bleibt die Erfahrung, einen Weg

    gegangen zu sein und dadurch neue Weisheit gesammelt und neue Möglichkeiten erprobt zu haben.

    So bleibt für den Clown hinter jeder geöffneten Tür ein Gewinn an Lebenserfahrung und neuer

    Erkenntnisse, die ihn in Bewegung halten. Das Ungewisse dabei ist der Preis für die unendliche

    Freiheit, die der Clown durch sein Wesen genießt und die ihn in einem unaufhaltsamen

    Lebens-Fluss hält.

     

  • Die 3 Anteiler des Clown

    Unsere Gedanken und Philosophien

    Der Clown ist so ehrlich wie ein Kind, so pur wie ein Tier und so schamlos wie der Narr.

    Das Kind treibt ihn an, immer neue Wege zu entdecken, sich von der Neugier treiben zu lassen und

    die Welt als ein großes Spiel zu begreifen.

    Das Tier steht für das intuitive, unmittelbare Sein – es handelt stets nach dem, was der innere Trieb

    vorgibt, ohne konstruierte Denkmuster und im absoluten Einklang mit der Natur.

    Der Narr steht stets außerhalb der Gesellschaft, und ist doch ein Teil davon. Er weiß um die

    Irrungen und Wirrungen der Menschheit und hält dem ganzen Treiben schelmisch den Spiegel vor

    die Nase, in dem er genau das tut, was Mensch nicht tun sollte: Grenzen und Konventionen

    übertreten, Erwartungshaltungen nicht erfüllen, sondern genau gegenteilig handeln und auf Ideale

    und Wertvorstellungen pfeifen. Provozierend, aber nicht persönlich beleidigend. Denn wie das Kind

    und das Tier ist der Narr von reinem Gemüt und frei von schlechten, manipulativen und

    verletzenden Absichten.

  • Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

    Unsere Gedanken und Philosophien

    Das strategische Denken, auf Basis unserer Erfahrungswerte und Sozialisierung Situationen

    einzuschätzen, abzuwägen und ggf. zu umgehen, fehlt dem Clown gänzlich. Er sucht nicht, aus

    Angst verletzt und bloßgestellt zu werden, den sicheren Weg. Jedes Mal aufs Neue geht er den

    ungewissen Weg, weil er gar nicht anders kann. Stillstand und Vermeidung ist der Tod des Clowns.

    Getreu dem Motto, „Umwege erweitern die Ortskenntnisse“ rutscht er von einer Situation in die

    nächste und erzeugt damit einen ständigen Fluss. Einen Fluss, dessen Lauf sich den Gegebenheiten

    anpasst, aber durch nichts aufzuhalten ist.

  • Leben im Hier und Jetzt

    Unsere Gedanken und Philosophien

    „Zeit ist Geld“ – Was für unsere kapitalistische Leistungsgesellschaft Lebensrealität und Peitsche

    ist, interessiert den Clown herzlich wenig. Weder das Eine noch das Andere haben für sein Leben

    eine Relevanz. Der Clown lebt unmittelbar in der Gegenwart und macht sich keine Gedanken, was die Zukunft

    bringen könnte, wie schön es doch früher war oder was er noch braucht, um endlich glücklich sein

    zu können. Er ist immer präsent. Das gibt ihm die Möglichkeit, jeden Moment voll auszukosten,

    sich auf das zu konzentrieren, was im Hier und Jetzt geschieht, ohne in Konjunktiven zu schwelgen

    und so konsequent und nur bei sich zu sein. Die Kraft der Gegenwart ermöglicht es, dass Sein ohne eine gesellschaftliche und materialistische

    Brille zu bestaunen, den Detailreichtum und die Qualität in voller Gänze wahrzunehmen.

  • Der Clown im Alltag

    Unsere Gedanken und Philosophien

    „Was hätte mein Clown in diesem Moment gemacht?“

     

    Jeder der genannten Aspekte des Clown-Wesens hat die Qualität, bei genauer Betrachtung und

    Bewusst-Machung gewinnbringend für unser tägliches Leben zu wirken. Über das Spiel mit dem

    eigenen inneren Clown können diese Ressourcen erkannt und geborgen werden. Die darüber

    gesammelten Erfahrungen können die eigene Sichtweise und das Handeln in vielerlei Punkten

    verändern und ergänzen. Dabei geht es nicht darum, nur noch als Clown herum zu rennen und sein

    gesellschaftliches Leben aufzugeben. Es geht vielmehr um eine innere Haltung zum Leben, den

    eigenen Clown als Begleiter auf allen Wegen in der Tasche zu wissen und bei Bedarf Kraft,

    Zuversicht und Humor aus dieser Quelle zu schöpfen. Das Erlernen eines Rituals zur Reise in den

    eigenen Clown gibt die Möglichkeit, selbständig und jederzeit neue Spiel-Erfahrungen zu machen

    und eine Routine zu entwickeln, den Clown immer mehr an seiner Persönlichkeit und dem täglichen

    Leben teilhaben zu lassen.

     

    Was im Kleinen für unser persönliches Leben gilt, ist natürlich auch auf die gesamte Gesellschaft

    übertragbar. Der Mut, neue Wege zu gehen, neugierig jeden Tag dazu zu lernen und „Ja“ zu allen

    Herausforderungen zu sagen, würde unser Miteinander nicht nur in vielerlei Hinsicht vereinfachen.

    Neue, grenzenlose Möglichkeiten würden entstehen, Kreativität gefördert, persönliche Entfaltung

    vereinfacht und Chancengleichheit erzeugt. Der Clown kann hier eine wichtige Vorbildrolle

    einnehmen und spielerisch, ohne Moralkeule und intellektuelle Voraussetzungen, vermitteln und

    vorleben.

     

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